Neu bei "Singen und mehr" - Friedensklänge in der Alten Kirche zu Herongen

Ein Tag für den Frieden

Singen, Tanzen und Sein in der Alten Kirche zu Herongen

am

Sonntag, 11. Oktober 2026 von 10:00 - 18:00 Uhr

Geschichtliches und Berührendes zum Kraftort Alte Kirche zu Herongen

 

Schon in der Eisenzeit (800 v. Chr.) diente der Platz, auf dem die Alte Kirche heute steht, dem keltisch-germanischen Volk der Menapier als Kultort. Die Menapier waren die ersten uns bekannten Siedler zwischen Maas, Schelde, Niers und Rhein. Die damals sumpfigen und stark bewaldeten Niederungen waren ihr Zuhause.

 

Erstmals Julius Caesar bedrohte die Menapier auf ihrem unzugänglichen Gelände. Diese leisteten jedoch über mehrere Jahre erbitterten Widerstand gegen die Unterwerfung Roms. Aufgrund des sumpfigen und waldreichen Geländes führten die Menapier einen Guerillakrieg. Sie mieden offene Feldschlachten und zogen sich in ihre Wälder zurück, sobald die Römer anrückten. Sie galten als widerspenstig und aufgrund der Geländesicherheit als unbesiegbar. Erst in einem massiven Feldzug im Jahr 53 v. Chr. gelang es Caesar, die Menapier durch die Zerstörung ihrer Siedlungen, die Plünderung des Landes und die Vertreibung in die Wälder zur Kapitulation zu zwingen.

 

Die Menapier lebten danach weiter als Händler in diesem Gebiet und die Colonia Ulpia Traiana (CUT) galt für 500 Jahre als Hegemon über das damalige Herongen.

 

Die CUT war eine bedeutende römische Stadt beim heutigen Xanten (ca. 100–275 n. Chr.), die als drittgrößte römische Siedlung im heutigen Deutschland (nach Köln und Trier) eine Schlüsselrolle als Verwaltungs- und Handelszentrum in der Provinz Niedergermanien einnahm.

 

Mit dem römischen Reich ging es dann um 400 n. Chr. stetig bergab und germanische Stämme wanderten von nördlich und östlich des Rheins in die Tiefebenen von Maas und Niers. In Herongen siedelte sich in dieser Zeit der Stamm der Chattuarier neu an. Auch ihnen diente der Platz, auf dem die Alte Kirche heute steht, als Zentrum und Ort kultischer Handlungen. 

 

Rund 400 Jahre später erkannte der aus Frankreich stammende Bischof Amandus von Maastricht das Potenzial eben dieses Ortes für die Missionsarbeit. Um 899 n. Chr. entstand direkt auf dem alten Kultplatz eine kleine Holzkirche. Viele Jahre später, um 1550 wurde eine neue Kirche aus Stein errichtet, deren Mauerwerk aus Maastrichter Mergel bestand.

 

Zwei wertvolle Bronzeglocken der Alten Kirche aus den Jahren 1439 und 1715 wurden 1917 und 1942 als Metallspenden der Kriegsindustrie übergeben.

 

Schon 1909, beim Bau der neuen Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite, forderte die Obrigkeit den Abriss des alten, kleineren Kirchengebäudes. Nach den Zerstörungen des Krieges kam in den 1950er Jahren erneut die Forderung auf. Es wurde wieder argumentiert, dass die Kirche zu klein sei. Gleichzeitig wurde betont, dass der Ausbau der B60-Durchgangsstraße im Ortskern Vorrang habe. In diesem Kontext wurde der Abriss der Kirche als raumplanerisch sinnvollere Lösung diskutiert.

 

 

Es scheint jedoch, als sei der Widerspruchsgeist der Menapier tief in der DNA der Heronger Bevölkerung verwurzelt. Dank des gemeinschaftlichen Einsatzes aller Gewerke entstand der Sakralbau in den folgenden Jahrzehnten völlig neu.

 

Nachdem die Kirche einige Jahre überwiegend als Jugendtreff diente, wurde sie ab 1990 wieder verstärkt für Gottesdienste genutzt. Im Jahr 2024 entweihte das Bistum Münster das Gebäude jedoch als überzählige Liegenschaft und führte es einer wirtschaftlichen Verwertung zu.

 

Um die Alte Kirche für den Ort zu erhalten, schlossen sich die Heronger nun im neu gegründeten Verein ‚Alte Kirche Herongen e.V.‘ zusammen und übernahmen das historische Gebäude.

 

Wie in alten Zeiten kommen hier jetzt alle Heronger zusammen: Ob beim ‚kleinsten Weihnachtsmarkt im Rheinland‘, zum festlichen Turmblasen, bei Konzerten oder Weinfesten. Der Raum füllt sich mit Leben – von feierlichen Trauungen bis hin zu den Gottesdiensten der Pfarrei, die hier auch wieder eine neue Heimat gefunden haben.

 

Es gibt Orte, an denen die Zeit stillzustehen scheint. Seit 3.000 Jahren finden Menschen an diesem Platz Beständigkeit, Freude, Kraft und Inspiration. Über hundert Generationen hinweg bleibt die Anziehungskraft dieses Ortes ungebrochen – eine Einladung an uns alle, innezuhalten und Kraft zu tanken.

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